Android Wear – das Auto lässt sich damit nicht holen

Ich musste auch unbedingt eine Smart Watch haben. Ist ja so geil das Handy und das Internet am Handgelenk zu tragen. Also ab zum nächstbesten A1 Shop und kurz beraten lassen.

Ich wollte kein Vermögen ausgeben aber ein bisschen was sollte die Uhr schon können. Meine Wahl fiel auf die Samsung Gear Live.
Sie ist staub- und wasserfest, hat einen quadratischen 1,63 Zoll AMOLED Bildschirm mit einer Auflösung von 320 x 320 Pixeln und misst 37,9 x 56,4 x 8,9 mm³ bei 59 Gramm Masse. Sie hat einen Pulsmesser, Der Prozessor ist mit 1,2 GHz getaktet. Die Uhr hat 512 MB RAM, 4 GB Flashspeicher und einen Akku mit 300 mAh.

Im Vergleich zu anderen Uhren fehlen ihr folgende Features: Sie hat keinen eingebauten Lautsprecher, nur ein Mikrofon. Keine Kamera und keinen Slot für eine eigene SIM Karte. Telefonieren ist direkt über die Uhr also nicht möglich. Als OS läuft Android Wear auf der Gear Live, Apps für die Uhr lassen sich so einfach aus dem Google Play Store installieren.

Verbunden wird die Uhr mittels Bluetooth mit dem Handy. Die Paarung ist so einfach wie bei anderen Bluetooth-Geräten. Am Telefon muss die Google App „Android Wear“ installiert sein. Über diese App nimmt man praktisch alle Einstellungen an der Uhr vor. Es gibt eine eigene Übersicht über den Akkuverbrauch, ähnlich wie in Android selbst.

Alle Apps die man bereits am Handy installiert hat und die auch „Wear-tauglich“ sind werden automatisch mit der Uhr synchronisiert. Neue Apps für die Uhr installiert man über das Handy aus dem Play Store heraus. Eine Übersicht aller Wear-tauglichen Apps gibt es direkt im Store.

Meine Begeisterung hat sich leider nach ein paar Tagen wieder gelegt. Es gibt zwar ein paar nette Spielereien aber für mich persönlich ist kein „Killer-Feature“ dabei. Nett ist es, jeden Tag farblich passend zur Bekleidung ein anderes Ziffernblatt zu benutzen. Deren gibt es viele, gratis aber auch kostenpflichtig.

Ankommende Gespräche werden mittels Vibration und Telefonnummer am Display angezeigt. Handelt es sich um einen gespeicherten Kontakt, sieht man Name und Kontaktbild. Wenn man das Gespräch auf der Uhr annimmt, kann man aber nur direkt am Telefon das Gespräch führen (fehlender Lautsprecher). Alle ankommenden Benachrichtigungen (Mail, SMS, WhatsApp, Facebook Messenger, Threema,…) werden auch direkt auf der Uhr angezeigt.

Man kann diese Benachrichtungen komfortabel auf der Uhr lesen, ablegen oder löschen. Antworten sind allerdings nur mittels Sprache möglich – die Uhr hat keine Tastatur. Die Spracherkennung funktoniert sehr gut (Google) und man kann damit wirklich ganze Mails diktieren. Allerdings habe ich Hemmungen in der vollen U-Bahn, im Kaffeehaus oder auf der Straße meinem Handgelenk laut irgendwelche privaten Dinge zu diktieren. Sinnvoll nutzbar ist das also eher zu Hause oder im Auto. Eine neue SMS, Mail,…etc. kann man über die Sprachsteuerung ebenfalls erstellen.

Praktisch alles auf der Uhr wird mittels Sprache gesteuert, beginnend mit dem Befehl „OK Google“ – dann wartet die Uhr auf den nächsten Befehl. Man kann so zB eine Navigation mit Google Maps starten, die dann aber am Handy geöffnet wird, nur die aktuellen Richtungsanweisungen zeigt die Uhr an. Eine Google Suche ist so ebenfalls möglich, wählt man aber ein Ergebnis auf der Uhr aus, wird der Browser am Handy geöffnet. So verhält es sich mit den meisten Apps die es für Android Wear gibt.

Der Pulsmesser kann leider auch nicht zB mit Runtastic als Brustgurt-Ersatz dienen. Eine Pulsmessung ist nicht über einen längeren Zeitraum möglich sondern immer nur einzeln und muss immer neu gestartet werden. Interessant ist vielleicht die MP3-Steuerung über die Uhr, die ich aber bisher noch nicht benutzt habe.

Die Uhr wird über ein mitgeliefertes Ladegerät geladen. Das Kabel des Netzteils hat zwar einen Micro-USB Stecker, dieser wird aber an eine Art Ladeschale angeschlossen. Diese Ladeschale wird dann an der Unterseite der Gear Live aufgesteckt, was etwas Gefühl benötigt. einen direkten Micro-USB Anschluss hat die Uhr vermutlich wegen der IP 67-Zertifizierung (Schutz vor Staub und Wasser) nicht.

Im täglichen Betrieb hält der Akku bei mir 1 bis 1 1/2 Tage, danach muss die Uhr wieder in die Ladeschale. Bei mir merkt man auch am Handy (Galaxy S5) einen höheren Akku-Verbrauch, da ja Bluetooth immer aktiviert sein muss. Hier hält der Akku ebenfalls nur noch 1 bis 1 1/2 Tage. Zeitweise habe ich am Handy Bluetooth deaktiviert und benutze die Uhr wirklich nur als Uhr – dann schafft sie bis zu 3 Tage.

Nach der anfänglichen Begeisterung und erfolgten Ernüchterung würde ich mir eine Uhr mit dieser Ausstattung nicht mehr kaufen. Wenn, dann ein Modell mit eigenem SIM-Karten Slot mit dem man auch direkt über die Uhr telefonieren kann. Alles andere kann ich teilweise schneller und bequemer auf dem Handy direkt machen.

Heimsteuerung für Einsteiger

„Das Internet der Dinge“ geistert immer wieder durch diverse Medien herum. Meistens stellt man sich darunter Kühlschränke vor, die per Mail eine Einkaufsliste verschicken, Waschmaschinen die auf Facebook posten wenn sie fertig sind… Ja, solche Geräte gibt es auch schon. Aber man auch auch klein beginnen.

Belkin Wemo
Die Firma Belkin bietet seit einiger Zeit ihre Produktlinie Wemo an. Es handelt sich um Steckdosen die man zeitgesteuert und auch über eine Handy-App steuern kann. Ihr werdet sagen, eine Zeitschaltuhr ist doch nichts neues, aber Wemo kann mehr.

Wie gesagt, die Steckdosen werden über eine App (iOS und Android) gesteuert. Damit kann man sie ganz banal ein- und ausschalten. Die Zeitsteuerung funktioniert entweder nach eingestellter Uhrzeit oder aber zB bei Sonnenauf- und untergang. Es gibt auch einen „Away-Modus“ der zB im Urlaub eine bewohnte Wohnung, ein bewohntes Haus vorspielen soll. Steckt am Wemo Switch eine Lampe kann man so per Zufallsgenerator innerhalb festgelegter Zeiten die Lampen ein- und ausschalten lassen.

Interessant wird es aber im Internet. Die Switches verbinden sich mit dem vorhandenen W-Lan und lassen sich so auch von unterwegs über die App steuern. Dazu benötigt man entweder eine W-Lan oder eine 3G Verbindung. Genial ist aber die Anbindung an den Internet Dienst IFTTT (If This Then That). Belkin Wemo bietet dort einen sogenannten „Channel“ um die Steckdosen mit anderen Diensten oder Produkten zu verbinden.

If This Then That "Rezepte"
If This Then That „Rezepte“

So kann man zB die Steckdose automatisch mittels sogenannten „Rezepten“ auf Facebook posten lassen wenn die Kaffeemaschine fertig ist. Oder wenn die Lieblingsfussballmannschaft ein Tor geschossen hat soll die Stehlampe blinken. Mann kann damit die Steckdosen auch über Siri steuern und das Licht, die Waschmaschine, die Kaffeemaschine, die Stereoanlage,….etc. ein/ausschalten. Es gibt hier unzählige Möglichkeiten.

Mittlerweile gibt es Zuwachs in der Wemo Serie. Es gibt einen Bewegungsmelder den man mit den Steckdosen verknüpfen kann. Und vermutlich am interessantesten: LED Lampen die man ebenfalls über die App und mit IFTTT steuern kann. Die Lampen benutzen das ZigBee Protokoll und sollen angeblich auch mit der Philips HUE Bridge szu steuern sein.

In den USA gibt es auch Lichtschalter für die Wand, die aber aber leider in Europa nicht funktionieren. Damit ist es möglich die komplette Zimmerbeleuchtung per Handy von unterwegs, per Zeitplan oder mit IFTTT zu steuern. Ein Datum für den Europastart gibt es leider noch nicht.

Die Installation war wirklich so leicht wie es in der kurzen Anleitung beschrieben ist. Allerdings machten alle Switches zuerst ein Firmware-Update, welches über die App zu starten ist. Das braucht ein wenig Geduld.

Derzeit benutze ich die Steckdosen für folgende Dinge: In der Früh schaltet sich die Kaffeemaschine einige Minuten vor meinem Wecker ein und wenn ich aufstehe ist der Kaffee fertig. Ich habe eine Webcam, die aber nicht immer online ist. Wenn ich sie benutzen will, schalte ich die dazugehörige Steckdose über das Handy ein. Wenn wir mal Abends länger nicht zu Hause sind schalten sich meine Stehlampen per Zufallsgenerator ein und aus und simulieren so Anwesenheit in der Wohnung. Mit IFTTT schalten sich die Lampen auch automatisch ein, wenn ich einen bestimmten Radius um das Haus mit meinem Handy erreiche und die Wohnung ist hell wenn ich die Türe öffne.

Nachdem ich gefallen an der „Heimsteuerung“ gefunden habe, kaufte ich mir auch noch das Philips Hue Starterset. Dazu aber das nächste Mal mehr.